950 Gramm Computer – MacBook 2015 im Büro-Praxistest

950 Gramm Computer – MacBook 2015 im Büro-Praxistest

Es ist klein, grau und federleicht. Apple hat mit dem superleichten 12 Zoll MacBook 2015 vor einigen Monaten die Kategorie „mobil“ neu definiert. Trafo2-Geschäftsführer Ansgar Fulland hat sich selbstlos als Versuchskaninchen zur Verfügung gestellt und sein viereinhalb Jahre altes MacBook Pro dafür in die Ecke gestellt. Vorerst.

Ein Kurztest mit unseren Erfahrungen nach einer Woche.

Das dauert: Lieferzeit

Von der Bestellung bis zur Lieferung hat es fast zwei Monate gedauert, bis das neue MacBook hier ankam. Grund dafür war wohl die von uns bestellte große SSD-Festplatte. MacBooks mit der halb so großen SSD jedenfalls liegen seit Wochen beim Händler. Die Wartezeit auf den „großen Kleinen“ war daher nervig lang. Besonders, wenn man bedenkt, mit welchem Tamtam das kleine leichte MacBook vor einigen Monaten angekündigt wurde.

Gut verpackt: Was ist in der Kiste?

Gut verpackt: Was ist in der Kiste?

MacBook Pro Verpackung Baujahr ca. 2012 (links) und MacBook 12 Zoll 2015 (rechts)

Die weiße Kiste im Apple Design ist wie üblich von Pappe, aber stylisch.  Apple hat sich auch dieses Mal entschieden, das Macbook geschlossen mit der Frontseite nach oben abzubilden. So sieht man bereits auf dem Karton, wie unglaublich flach das 12 Zoll-Gerät ist.

Das Öffnen der Box – für einen Apple-Jünger schon fast eine religöse Handlung – ist unspektakulär. Der Inhalt ist übersichtlich: Das Macbook, ein USB C-Kabel, ein kleines Netzteil, wie man es vom iPhone kennt, zwei Apple-Aufkleber sowie ein kleiner Umschlag mit Informationen in Sonderbriefmarkengröße. Wer das ernsthaft lesen möchte, braucht eine gute Leselupe. Weltbewegende Informationen sollte man nicht erwarten.

Apple scheint übrigens mit seinen chinesischen Zulieferern über Umweltstandards gesprochen zu haben. Der sehr präsente Geruch, den wir seit Jahren beim Auspacken neuer Apple-Geräte kennen, fehlt beim neuen MacBook. Gerade hatten wir uns dran gewöhnt.

Ganz schön: Und ganz schön klein

Das neue Macbook ist kaum größer als ein iPad

MacBook 12 Zoll 2015 (oben) und iPad 2 (unten). Von der Größe her kaum ein Unterschied.

Das Macbook ist kaum größer als ein iPad und so flach, dass man es kaum öffnen möchte. Sein Gewicht liegt bei knapp 950 Gramm. Mit diesem Gewicht ist es für Reisende prädestiniert und spart im Gegensatz zum Macbook Pro von 2010 über 1,5 kg (!) Gewicht in der Laptop-Tasche.

Apples Neuen gibt es in drei verschiedenen Farben. Gold für Mutige, Silber für Traditionalisten und Grau für Langweiler. Wir haben Grau gewählt, damit man sich nicht so schnell dran satt sieht und weil es zu unseren iPhones passt.

Die Verarbeitung des kleinen Grauen ist apple-typisch großartig. Das Aluminium ist perfekt aus dem Vollen gefräst bzw. gelasert. Ob die Oberfläche so unempfindlich ist, wie die Oberfläche der silbernen MacBooks, die wir sonst bei Trafo2 einsetzen, werden wir sehen.

Abstriche muss man bei der Rutschfestigkeit der relativ harten Gummifüßchen am Geräteboden machen. Das Macbook rutscht schnell hin- und her, wenn man dagegenstößt. Im mobilen Einsatz – zum Beispiel im Zug oder Bus kann das durchaus zum Thema werden.

Beim Einschalten signalisiert das frisch ausgepackte Gerät eine Akkuladung von immerhin 90%. Man könnte auch ohne Stromzufuhr direkt mit der Einrichtung des Macs loslegen. Der Apfel auf der Bildschirmrückseite leuchtet übrigens – anders als bei den älteren Macbooks – nicht.

Teure Minimallösung: Schnittstellen und MacBook-Adapter für 89 €

Wir schließen Strom an, um für die Installation ausreichend Strom zu haben. Das winzige Netzteil mit dem etwas unpraktischen Formfaktor hat eine Buchse für ein USB C-Kabel. Das ist etwa zwei Meter lang und genügt fürs Aufladen und das Arbeiten im Büro. Wer häufig fern von Steckdosen arbeitet, wird das fast doppelt so lange Stromkabel der alten MacBooks vermissen. Bei Kunden-Präsentationen außer Haus wird das für uns hier durchaus zum Thema.

Macbook 4

Kopfhörer- und Strombuchse am MacBook 2015

Neben der Kopfhörerbuchse hat das MacBook übrigens nur eine einzige (!) Buchse für Strom UND Peripheriegeräte. Das ist mutig von Apple. Um überhaupt arbeiten zu können werden sich die meisten Anwender einen „USB-C-Digital-AV-Multiport-Adapter“ zulegen müssen. Dieser Adapter verfügt über USB, HDMI und einen weiteren USB C-Stecker. Außerdem ist er relativ klobig und kostet 89 €. Eine Frechheit für ein Zubehörteil, ohne das man eigentlich kaum arbeiten kann.

Vorteil der USB C-Technik ist die geringe Größe der Stecker und Buchsen sowie ihre (theoretische) Geschwindigkeit. Der USB 3-Standard überträgt Daten mit sagenhaften 500 MB in der Sekunde. USB 2 schaffte nur mickrige 60 MB/s. Voraussetzung für diese Geschwindigkeiten sind natürlich USB 3-fähige Geräte auf der anderen Seite. Zum Beispiel ein Kartenleser mit USB 3. Der ist dann notwendig, wenn man mal Fotos von der Digitalkamera auslesen möchte. Beim MacBook Pro ist er integriert…

Die Verbindung zum Netzwerk stellt man mit dem MacBook per WLAN her. Eine Alternative gibt es nicht. Das MacBook ist so flach, dass eine echte Lan-Buchse nicht hineinpassen würde. Gerade für Nutzer, die mit großen Datenmengen umgehen müssen, ist der Verzicht auf das Netzwerkkabel  sicherlich schmerzlich. Uns geht es so – aber wir können damit leben.

Vermissen werden wir den genialen Apple „MagSafe“-Stromanschluss der klassischen MacBooks. Der sich selbst lösende und magnetische Stromstecker hat hier bei Trafo2 schon mehrere MacBooks vor dem sicheren Absturztod bewahrt. Das war uns sympathisch und hat Geld gespart. In Zukunft heißt es dann wohl wieder „aufpassen“.

Einfach: Die Einrichtung

Die Einrichtung des frisch ausgepackten MacBooks ist apple-üblich schnell erledigt. Name, WLAN Passwort und ein paar Kleinigkeiten genügen fürs Erste.

Wir entscheiden uns gegen die automatische Übernahme sämtlicher Programme und Programmdaten vom alten MacBook Pro. Damit gab es kürzlich hier einmal echte Probleme. Ein neues MacBook Pro musste mehrfach neu aufgesetzt werden. Besser also eine Software nach der anderen neu installieren. Das ist sauber und sicherer.

Die ersten Programme sind schnell auf der geräuschlosen SSD-Platte. Wir installieren Firefox, Chrome und OpenOffice per WLAN aus dem Internet. Alles kein Problem. Lediglich der Download der 160 MB großen Installationsdatei von OpenOffice dauert übers Funknetzwerk ziemlich lang.

Im Anschluss daran möchte OpenOffice nicht starten. Aus Sicherheitsgründen. Das lässt sich in den Einstellungen des MacBooks ändern. Doch hier wäre ein Nicht-Nerd womöglich gescheitert. Den gleichen Effekt erleben wir mit unserem Mindmapping-Programm „MindManager“. Auch hier moniert das Betriebssystem OS X Yosemite den Herausgeber.

Schneller als gedacht: Geschwindigkeit

Nach Installation der ersten Programme ist die subjektive Geschwindigkeit des Winzlings deutlich besser, als erwartet. Sie liegt nicht nur gefühlt über der des nun schon in die Jahre gekommenen Macbook Pro 15 Zoll, das es versuchsweise ersetzen soll. Selbst mit einer 100 MB großen OpenOffice Impress-Datei kommt der Neue gut zurecht und stellt alle 200 Folien der Präsentation fix dar. Überraschend für das kleine Ding.

Lüfterlos: Hitze- und Geräuschentwicklung

MacBooks krankten in der Vergangenheit häufig an großer Hitzeentwicklung. Bei einigen älteren Modellen war die Bezeichnung „Laptop“ unserer Erfahrung nach daher gewagt. Im Sommer bestand bei einigen von uns gekauften Geräten durchaus Verbrennungsgefahr.

Mit Spannung haben wir daher die ersten prozessorlastigen Videos auf dem lüfterlosen 12 Zoll MacBook gestartet. Nur so wird dem Prozessor richtig heiß. Die Überraschung: HD und FullHD Videos laufen nicht nur problemlos, auch die Hitzeentwicklung hält sich auch nach zwanzig Minuten Videodarstellung noch in erträglichen Grenzen. Trotzdem empfehlen wir, bei warmen Temperaturen vorsichtig zu sein.

Der Mac-Adapter für den USB C-Anschluss heizt sich übrigens ebenfalls auf. Wo viel Strom durchfließt, entsteht eben Hitze. Das nennt sich Physik. Ob sich das auf die Lebensdauer der Komponenten auswirkt, steht auf einem anderen Blatt. Zur Ehrenrettung von Apple muss gesagt werden, dass bislang erst ein einziges MacBook wegen eines irreparablen Schadens bei uns ausgefallen ist.

Geräusche macht der Apple-Winzling keine. Wer die Lüfter der alten MacBooks kennt weiß, dass das beim Konzentrieren hilft.

Auch für dicke Daumen: Tastatur und Trackpad

Macbook Trackpad

Apple hat sich mit der Tastatur und dem vergleichsweise riesigen Trackpad viel Mühe gegeben

„Da kann man doch gar nicht drauf schreiben“, war einer der ersten Einwürfe zum 2015er MacBook, den wir hier hörten.

Doch Apple hat sich mit der Tastatur und dem vergleichsweise riesigen Trackpad viel Mühe gegeben. Die Tastatur erhielt eine völlig neu konzipierte Mechanik und jede Taste wird einzeln von einer LED beleuchtet. Der Tastenhub ist mit gefühlt einem Millimeter minimal, aber gut brauchbar. Mit zehn Fingern zu schreiben ist schon nach kurzer Eintippzeit problemlos. Die Tastengröße ist überraschend. Apple hat die Tastatur bis fast an den Rand des Gehäuses gezogen. Da tippen auch größere Finger noch fehlerfrei.

Das Trackpad verfügt, wie bei Apple üblich, über viele Sonderfunktionen. So kann man mit einem, zwei oder drei Fingern arbeiten. Neu ist „Force Touch“. Eine Technologie, die unterschiedlichen Druck auf dem Trackpad interpretiert. So toll das theoretisch ist. Intuitiv versteht man das nicht. Auch wenn die animierte Gebrauchsanleitung in den Apple-Systemeinstellungen Apple-Neulingen weiterhilft.

Pixel adé: Der Bildschirm

Mehr Pixel sind gut. Noch mehr Pixel sind besser. Diese Erkenntnis hat in den vergangenen Jahren nicht nur bei Apple zu immer hochauflösenderen Displays geführt.

Das MacBook 2015 hat so eines. „Retina“ sagt Apple dazu. Es stellt auf 12 Zoll Diagonale 3.000.000 Pixel dar. Das entspricht einer Auflösung von 2304 x 1440 Pixel im Verhältnis 16:10. Zum Vergleich: Das viereinhalb Jahre alte MacBook Pro schafft auf seinem 15 Zoll-Display gerade einmal eine Auflösung von 1680 x 1050 Pixeln. Da liegen Welten zwischen.

Auch bei genauem Hinsehen lässt sich auf dem neuen Mac daher kein Pixel mehr erkennen. Trotzdem erinnert uns der aktuelle Kampf um immer noch mehr Auflösung an den Megapixel-Hype bei den Digitalkameras. Irgendwann ist es dann auch mal gut und ausreichend für die tägliche Arbeit.

Laut: Der Sound

Die winzigen Lautsprecher befinden sich zwischen Tastatur und Bildschirm. Es ist unglaublich, was Apple aus dem Winzling an Sound herauszaubert.

Sound am Macbook

Lautstärke und Qualität liegen deutlich über dem, was man dem MacBook 2015 zutrauen würde

Natürlich erwartet hier niemand High-Fidelity. Doch Lautstärke und Qualität liegen deutlich über dem, was man dem Kleinen zutrauen würde. Das ist nicht nur ganz nett für Videos und Musik. Ein echtes Plus im Arbeitsalltag ist es für Präsentationen mit PowerPoint und Co. Selbst in großen Räumen sind Zusatzlautsprecher nicht dringend notwendig. Da hat jemand seine Arbeit ganz ausgezeichnet gemacht.

Absturzfrei: Stabilität

Wir haben jetzt einiges an Software installiert und auch damit gearbeitet. Darunter waren mehrere nicht von Apple zertifizierte Programme. Abstürze gab es bislang keine. Wer Windows kennt, weiß dass das nicht selbstverständlich ist, wenn man einen Computer neu aufsetzt.

Dauerläufer: Akkulaufzeit

Das MacBook ist angeblich ein kleiner Dauerläufer. Das entspricht seinem Verwendungszweck als mobiler Schreibmaschine, die auch mal eine Zugfahrt von Essen nach Berlin ohne Strom durchhalten muss. Apple gibt Laufzeiten von bis zu 9 Stunden und mehr an. Das scheint uns bereits nach wenigen Tagen Test sehr euphorisch. Mal sehen, welche Laufzeit sich im Arbeitsalltag so ergibt.

Vorläufiges Fazit: MacBook 2015

Das 12 Zoll MacBook Pro 2015 ist in Design und Technologie ein echter Apple und Benchmark für andere Hersteller. Ein Hingucker, für seine Größe ausreichend leistungsfähig und 950 Gramm leicht. Gerade für den mobilen Anwender von heute bleiben kaum Wünsche offen.

Dem praktischen MagSafe-Stromanschluss der alten MacBooks trauern wir aber schon jetzt nach. Der fehlende Netzwerkanschluss (LAN) ist nur für die Anwender ein Minuspunkt, die häufig mit großen Dateimengen hantieren. Echte Minuspunkte des schicken Minirechners sind das aus unserer Sicht zu kurze „Stromkabel“, die Beschränkung auf eine einzige USB C-Buchse sowie die „Aufpreispolitik“ von Apple. Der (notwendige) Adapter für 89 € müsste bei einem so teuren Gerät zum Lieferumfang dazugehören. Alles andere ist frech. Das kann man nicht zu häufig sagen.

Trafo2 testet das 12 Zoll MacBook 2015 jetzt einige Wochen im Alltagsbetrieb und meldet sich dann mit einem weiteren Test zurück. Jedenfalls dann, wenn das winzige Ding bis dahin nicht in irgendeiner Ritze auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist.

Comments (2)

  1. Ich bin ehrlich immer wieder erstaunt, wie die das mit so dünnen Laptops und der Leistung machen. Technik überhitzt nun gerne mal und da bin ich umso erstaunter, dass man sich an den Notebooks nicht die Finger verbrennt. Mein Rechner kann sicherlich ein wenig mehr, aber dafür braucht er gefühlt auch einen eigenen Klimaschrank, um nicht warmzulaufen. Von daher echt eine fantastische Leistung.

    1. Das sehen wir auch so!

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