Blog-Spam bei Trafo2 und neue Spam-Dimensionen im Internet der Dinge

Blog-Spam bei Trafo2 und neue Spam-Dimensionen im Internet der Dinge

Die Kommentarfunktion im Trafo2-Blog und allen anderen Blogs im Web ist Einfallstor für sogenannten „Blog-Spam“. Das ist Werbung, die von meist dubiosen Anbietern für Potenzpillen, Finanzprodukte, SEO-Services, Schlankmacher und andere über das Internet vertriebene zwielichtige Produkte und Dienstleistungen gemacht wird. Üblicherweise werden in Blog-Publishing Systemen wie WordPress dagegen sogenannte Spam-Blocker eingesetzt. Das sind Extensions (Zusatzmodule) im System, die Spam erkennen und automatisch herausfiltern.

Wir haben uns in den vergangenen Wochen den Spaß gemacht und den Filter von Trafo2-Blog.de einmal ausgeschaltet. So sind sämtliche Spam-Kommentare im Trafo2-WordPress Backend aufgelaufen. Veröffentlicht wurde davon natürlich nichts, denn ein gutes Blog-Publishing System wie WordPress schaltet Kommentare immer erst frei, wenn der Administrator des Blogs den entsprechenden Knopf drückt.

288 Spam Kommentare in sechs Wochen

Insgesamt schlugen in exakt sechs Wochen 288 Spam-Kommentare bei uns auf. Die Themengebiete haben wir grob erfasst und in einer Tortengrafik aufbereitet. Wenn man berücksichtigt, welche Dimensionen die Spamflut bereits bei einem kleinen Corporate-Blog wie dem von Trafo2 hat, wundert man sich nicht über den hohen Prozentsatz, den unerlaubte Werbung im weltweiten Datenverkehr ausmacht. Experten gehen davon aus, dass im E-Mail-Umfeld fast 70% des Datenverkehrs von Spam erzeugt wird (s. z.B.: http://www.viruslist.com/de/analysis?pubid=200883853).

Von Finanzen bis Viagra: Blogspam im Trafo2-Blog

Von Finanzen bis Viagra: Blogspam im Trafo2-Blog

Das Internet der zugespammten Dinge

Angesichts dieser Zahlen muss man sich fragen, wie sich die Datenflut in Zukunft weiterentwickeln wird. Denn die Transfer-Geschwindigkeiten im Internet nehmen ja gerade erst Fahrt auf. Text-Spam ist längst durch bebilderten Spam ersetzt worden und wird in Kürze ganz sicherlich dem Video-Spam weichen. Gegen diese Spam-Attacken müssen sich Internet-Nutzer in der Zukunft nicht nur am PC erwehren. Schon seit Jahren müssen sich Virenspezialisten auch mit Spam und Viren auf mobilen Geräten auseinandersetzen.

Doch nicht nur Smartphones und Tablet-PCs werden immer mehr zum Ziel von Spam-Attacken. Das „Internet der Dinge“ hat immer noch unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit seinen Siegeszug angetreten. Die möglichen Auswirkungen von Spam im Internet der Dinge sind erschreckend. Spam auf dem Fernseher mit Internetverbindung im Wohnzimmer. Spam im Head-Up Display des Elektro-Autos, Spam am Kühlschrank mit Web-Verbindung und Spam auf Smart-Watches und anderen Geräten. Spam wird unser Leben noch deutlich mehr durchdringen als heute. Er wird unsere Internetverbindungen lahmlegen und uns (noch) mehr kostbare Zeit kosten. Und – er wird immer schlauer und mogelt sich an allen Sicherheitsmechanismen vorbei.

Helfen internationale Regelungen?

Die Zeche für die Werbeflut zahlen wir alle an unsere Provider. Deren Leitungen müssen zwangsläufig immer leistungsfähiger werden, damit die wichtigen Daten neben dem Spam überhaupt noch Raum haben. Doch so lange es weltweit genug Serverbetreiber mit krimineller Energie gibt, sowie ausreichend Unbedarfte, die fröhlich auf jeden „OK“ Button klicken, werden wir den Spam nicht los. Da Menschen sich kaum ändern, wären internationale Regelungen und strengere Gesetze zur Bekämpfung von Spam notwendig. Ein Kampf gegen Windmühlen. Denn Spam wird aus Ländern verschickt, auf die wir in Europa kaum Einfluss haben. China und Kolumbien stehen laut Viruslist / Kaspersky ganz oben auf der Liste der Spamschleudern. Bis sich hier Regelungen gegen den Spamversand durchsetzen, haben die Versender sich längst neue Server für den Versand gesucht. Oder ganz neue Versendemethoden entwickelt.

Weniger Spam durch mehr Medienkompetenz

Also doch die Menschen ändern? Hier ist Aufklärungsarbeit erforderlich, die von Kindergärten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen geleistet werden muss. Denn auf Spam reagieren natürlich eher die unerfahrenen Nutzer im Internet. Ich stelle das immer wieder fest, wenn ich PCs in der eigenen Familie inspiziere. „Ich habe nichts installiert“, heißt es dann ganz in der Regel angesichts zugespammter und mit Viren infizierter Rechner. Spam-Opfer sind meist ältere oder unerfahrene Internetnutzer. Eine Zielgruppe, die aktuell in Deutschland und Europa die größten Zuwachsraten bei der Internetnutzung verzeichnet. Und eine Zielgruppe, die häufig überall dort klickt, wo ein „OK“-Button aufpoppt. Goldene Zeiten für Spammer also. Machen wir uns keine Illusionen: Spam wird weiterhin ein lukratives Geschäftskonzept für zwielichtige Anbieter zwielichtiger Leistungen bleiben. Höchste Zeit, noch wirksamere Filter in Mail- und Blogsystemen zu installieren. Und höchste Zeit, öfter mal bei Vater, Mutter, Oma und Opa vorbeizuschauen und Aufklärungsarbeit zu leisten.

 

Foto: (c) by Christian Nielinger, www.nielinger.de

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