Die Cloud – Hype, Innovation des Jahrhunderts, oder alles Kokolores?

Die Cloud – Hype, Innovation des Jahrhunderts, oder alles Kokolores?

Haben Sie auch schon eine eigene Cloud oder sind Sie gar schon drin? Was ist das eigentlich für eine ominöse Wolke? Gibt es sie wirklich oder gehen wir wieder nur der Werbung auf den Leim, die uns alten Wein in neuen Schläuchen verkauft? Die Antwort ist doch ganz klar… teils, teils.

Mit Cloud assoziieren wir im allgemeinen Wörter wie „Service“, „ Storage“, „Synchronisation“ und „Virtualisierung“. Wobei im Zweifel niemand so genau weiß, wer wann was mit wem und wohin synchronisiert. Und so ganz virtuell ist das Ganze dann auch nicht, denn im Endeffekt steht immer irgendwo ein Computer, auf dem die Daten landen und verarbeitet werden.

Auch bei Trafo2 nutzen wir Cloud-Computing. Und zwar in Form eines Datacenters für unsere IT-Infrastruktur sowie eines auf der aus Deutschland stammenden Open-Source-Lösung ownCloud basierenden Dienstes. Wir nutzen unsere ownCloud-Instanz zum Austausch von Daten im Team sowie mit unseren Kunden. Selbstverständlich setzen wir dabei auf eine Private-Cloud, aber dazu später mehr.

Das Thema ist geradezu prädestiniert für eine Partie Buzzword-Bingo und beim Verfassen des Beitrags stelle ich immer wieder fest, dass es schwierig ist, bei diesem Thema nicht andauernd zu springen und „von Höckschen auf Stöckschen“ zu kommen. Das liegt natürlich darin begründet, dass vieles, was Cloud-Computing ausmacht, weniger mit technologischen Innovationen zu tun hat, als mit den gänzlich neuen Prozessen, die diese zusammenführen und der Art und Weise, wie diese zur Verfügung gestellt und genutzt werden. 

„Die Cloud“ gibt es eigentlich gar nicht. Mit dem, vermutlich aus einer, zu Recht, gut bezahlten Marketingabteilung stammenden Wort, wird im Grunde genommen eine Zusammenführung von mehreren Bereichen der klassischen IT, zu etwas in der Tat Neuem, bezeichnet. Als Ursprung dient vermutlich das Wolken-Icon, mit dem man traditionell in Infrastrukturdiagrammen das Internet als Ganzes visualisiert.

Aber fangen wir mal, mehr oder minder strukturiert, von vorne an.

Cloud-Computing setzt sich, vereinfacht gesagt und technologisch betrachtet, aus den Schichten SaaS, PaaS und IaaS zusammen. Diese werden als Komponenten oder als aufeinander aufbauende Lösung, sozusagen „von der Stange“, angeboten und dem Endkunden zugänglich gemacht.
Ein entscheidendes Merkmal, das auf Cloud-Computing hinweist, ist der On-Demand-Charakter. Benötigte Infrastruktur, Plattformen oder Anwendungen, können in flexiblen Zeiträumen und in vom Nutzer bestimmten Umfängen spontan abgerufen werden.

SaaS? PaaS? IaaS?

Ok, das sind schon wieder typische IT-Vokabeln und vielleicht ist es, für den eher IT-fernen Leser, an der Zeit für einen kleinen Exkurs.

Bei dieser Gelegenheit sei dem versierten Leser versichert, dass ich mir der teilweise starken Vereinfachung der Zusammenhänge wohl bewusst bin. Aber sicherlich stimmen Sie mit mir darin überein, dass dies, wollte man dieses Thema umfänglich und in allen Facetten beschreiben, eher in einem Buch als in einem Blog-Beitrag münden würde.

Fangen wir unten, sozusagen am Fundament der Pyramide, an.

IaaS

IaaS steht für „Infrastructure as a Service“ und bezeichnet die klassische IT-Infrastruktur mit allem was dazugehört. Zum Betrieb von Plattformen benötigt man Computer, ein Netzwerk, über das Daten transportiert werden, sowie Betriebssysteme, die auf den Rechner laufen, Strom, Klimaanlagen, viele Kabel, Backupsysteme zur Sicherung, und und und…

Da die Anschaffung solcher Hardware nebst dem Aufbau der damit verbundenen notwendigen Strukturen, dies beinhaltet natürlich auch Personal für die Wartung und Pflege, mitunter sehr teuer ist, ist es oftmals sinnvoll, diese Investition einem Dritten zu überlassen.
Bei diesem Dritten, ein bekannter Anbieter ist Amazon („EC2“), kann dann für einen quasi beliebigen Zeitraum soviel Rechnerkapazität gemietet werden, wie benötigt wird.
In der Regel stellen Anbieter von IaaS diese in Form von Virtualisierungsumgebungen zur Verfügung, in denen der Kunde seine (virtuellen)
Rechner selbst erstellen, skalieren und verwalten kann. Der Anbieter trägt die Verantwortung dafür, dass Prozessoren, Speicher, Strom, Klimatisierung, Netzwerk, etc., zur Verfügung stehen.
Für das Management der darauf betriebenen Betriebssysteme und Anwendungen sowie für die Sicherheit und Integrität der gespeicherten und verarbeiteten Daten ist der (End-)Kunde selbst verantwortlich.

PaaS

PaaS steht für „Plattform as a Service“ und inkludiert natürlich bereits IaaS, da die Plattform ja auf der Infrastruktur des Anbieters zur Verfügung gestellt wird. Die Abgrenzung zu SaaS ist schwierig und lässt sich am besten von einer Zielgruppendefinition ableiten bzw. durch eine solche herbeiführen. PaaS richtet sich in erster Linie an Entwickler von Software und Anwendungen. Über APIs (definierte Schnittstellen) kann der Entwickler seine Software auf der Plattform bereitstellen, um diese dort zu testen, zu verteilen und zu betreiben.

SaaS

SaaS steht für „Software as a Service“, inkludiert natürlich ebenfalls IaaS (und ggf. PaaS) und stellt vollständige Softwarelösungen für den Endanwender bereit.

Diese Schicht des Cloud-Computings ist wohl die Variante, an die die meisten Endbenutzer im Zusammenhang mit dem Wort „Cloud“ denken. Die wohl häufigste Assoziation ist vermutlich das (berühmt berüchtigte) Beispiel Dropbox. Der Dienstleister stellt den Speicherplatz, die Backupsysteme und alle sonstigen Ressourcen für den Betrieb sowie die notwendige Software zu Synchronisation und Verteilung (Sharing) der Daten zur Verfügung.

Im engeren Sinne nutzen wir aber bereits einen Cloud-Service, wenn wir z. B. einen Webmailer wie GMX, Hotmail oder Co. nutzen. Der Dienstleister übernimmt den vollständigen Betrieb auf der eigenen Infrastruktur und gewährleistet den fehlerfreien Ablauf aller notwendigen Prozesse.

Organisatorisch kann man Cloud-Computing grob in zwei Formen einteilen. Public-Cloud und Private-Cloud. Nomen est omen, die eine ist öffentlich, die andere privat.

Aus meiner Sicht verbietet sich der Einsatz einer Public-Cloud im Unternehmenseinsatz von selbst. Die Implikationen im Hinblick auf Datensicherheit und Datenschutz sind vielfältig und könnten wiederum eine eigene Abhandlung füllen. Sicher, es gibt kryptographische Ansätze für die Nutzung von Cloud-Services (wieder eine eigene Abhandlung :)), die aber ebenfalls ihre eigenen Vor- und Nachteile mit sich bringen.

Und was hat man jetzt davon?

Apropos Vor- und Nachteile. Was hat man denn nun von dem ganzen Cloud-Computing?

Ein ganz klarer Vorteil ist, dass man sich als Endkunde die nicht unerheblichen Investitionen in die Infrastruktur sowie den personellen Aufwand spart. Um die Skalierung, Wartung der Hardware sowie den Betrieb der Infrastruktur und das Management der Software kümmert sich ein Anbieter mit dem entsprechenden Know-how. Es handelt sich quasi um IT-Outsourcing. Kaufmännisch ist dies höchst attraktiv, und man kann sich auf die eigenen Prozesse und Kernkompetenzen konzentrieren.

Allerdings liegen auch die Nachteile, zumindest bei der Nutzung einer Public-Cloud bzw. von Public-Cloud-Diensten, auf der Hand. Die Lösungen lassen sich meist nur in sehr eingeschränktem Rahmen auf die Bedürfnisse und an die Prozesse des Endkunden anpassen und man muss der Integrität des Anbieters und seiner Infrastruktur vertrauen oder sich wiederum um Kryptographie Gedanken machen.

Es kommt natürlich stark darauf an, welche Daten man der Cloud anvertraut. Handelt es sich um Fotos des Haustieres, so ist der Verlust oder der ungewollte Zugriff nicht berechtigter Dritter sicherlich zu verschmerzen. Auch die NSA wird kaum Interesse daran haben. Bei den Kalkulationen, Arbeitsverträgen oder anderen sensiblen Daten des eigenen Unternehmens sieht es da schon anders aus.

Uns IT-Leuten wird manchmal nachgesagt, wir wären tendenziell paranoid und würden zur Kontrollsucht neigen. Das ist sicherlich etwas pauschal betrachtet, aber so ganz abstreiten können wir das nun auch wieder nicht. Dropbox habe ich stets gemieden, und selbst als bekennender Apple-User mache ich einen Bogen um die iCloud. Viel zu tief und intransparent ist mir persönlich hier die Integration von nicht in meinen Händen liegenden Systemen in meine Datenwelt und Privatsphäre.

Unsere ownCloud hingegen, gehostet in unserem eigenen Hochsicherheitsrechenzentrum, habe ich dagegen sehr zu schätzen gelernt! Ich weiß, wo meine Daten liegen, wer Zugriff darauf hat und bestimme selbst den Grad an Sicherheit und Performance. Die ownCloud synchronisiert sich zuverlässig mit meinem Rechner und meinem Smartphone, und Daten mit Kunden oder im Team auszutauschen geht schnell und intuitiv von der Hand. Darüber hinaus können Termine via CalDav synchronisiert und eigene Anwendungen implementiert werden. Mittlerweile evaluieren auch einige unserer Kunden die Lösung. Die Rückmeldungen sind durchweg positiv.

Fazit: Die Cloud

Als Fazit kann man sagen, dass Cloud-Computing heutzutage zwar oftmals als rein werbewirksames Buzzword missbraucht wird, aber dass es auch tatsächlich interessante Wege eröffnet und viele Chancen bietet. Mit sinnvoll genutzten Cloud-Services und -Ressourcen kann Budget gespart und sowohl die individuelle als auch die allgemeine Produktivität, und damit letztendlich auch die Wertschöpfung, erhöht werden.

Wenn man sich nicht vom allgemeinen Hype blenden lässt, kann man, unter Berücksichtigung der Sensibilität der jeweils am Prozess beteiligten Daten und Parteien, in Ruhe die Risiken und Kosten gegen potentielle Einsparungen und Mehrwerte abwägen.

Also, ruhig ran an die Cloud.

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