Intranet auf TYPO3-Basis: IT-Infrastruktur in einem komplexen Systemumfeld

Intranet auf TYPO3-Basis: IT-Infrastruktur in einem komplexen Systemumfeld

Trafo2 CIO Daniel P. Jarusch über IT-Infrastrukturlösungen und wie man sie richtig plant am Beispiel eines Intranets auf TYPO3-Basis. Das Interview führte Dr. Christine Lötters (SCL – Strategy • Communication • Public Relations – www.sc-loetters.de) bei der wir uns herzlich bedanken!

Herr Jarusch, Sie sind bei Trafo2 verantwortlich für die Planung komplexer IT-Infrastrukturlösungen für Internet-, Intranet- und Extranet-Projekte. Sie haben zuletzt ein umfangreiches IT-Infrastrukurprojekt für einen großen Kunden realisiert. Worum ging es bei diesem Projekt?

Aufgabe war der Relaunch des Firmen-Intranets und in diesem Zusammenhang auch das Outsourcing des Serverbetriebes in ein Hochleistungsrechenzentrum an einem anderen Standort als der Firmenzentrale.

Das klingt anspruchsvoll – wie kompliziert war das?

Dr. Christine Lötters - (SCL – Strategy • Communication • Public Relations – www.sc-loetters.de)

Dr. Christine Lötters – (SCL – Strategy • Communication • Public Relations – www.sc-loetters.de)

In der Durchführung war die eigentliche Realisierung letztendlich wegen einer entsprechend sorgfältigen Planung und Koordination aller Beteiligten nicht so kompliziert, wenngleich, bedingt durch standortübergreifende Vernetzungen von lokalen Netzwerken, strikten Firewallkonfigurationen, Routings und Glasfaseranbindungen, nicht weniger komplex.

Komplizierter war da schon eher, alle Beteiligten zu koordinieren und eine transparente Kommunikation aufrecht zu erhalten. Denn dadurch, dass es eine konzernweite Compliance hinsichtlich Datenschutz und IT gab, mussten alle Bedenken sehr ernst genommen und allen Beteiligten klargemacht werden, dass ihre Daten sowohl in virtueller als auch physischer Hinsicht sorgfältig behandelt werden und auch sicher sind.

Das begann mit Terminen zur Besichtigung des Rechenzentrums – zusammen mit der Konzernrevision und der IT-Abteilung – und mündete hinterher neben einer abgestimmten Planung für alle Teile der IT die involviert waren, natürlich auch in eine abgestimmte und dokumentierte Kommunikationsform. Wer wann wen über was informiert, sowie die Verantwortlichkeiten für die einzelnen Gewerke, musste im Vorfeld genau abgestimmt sein.

Was musste Trafo2 bei der Aufnahme der Anforderungen berücksichtigen und welche Form bot sich dafür an?

Alle erfassten Kennzahlen – wie zum Beispiel der zu erwartende Traffic und die dafür notwendige Bandbreite – mussten zuvor in technischer und in kaufmännischer Hinsicht geprüft und diskutiert werden, um verschiedene Lösungsansätze durchzuspielen.

Bei der Aufnahme der Anforderungen musste berücksichtigt werden, dass stets alle Beteiligten über Änderungen der Anforderungen oder den Fortschritt der Dokumentation unterrichtet waren und dass die Beteiligten, von denen die Erledigung einer Aufgabe abhing, sich ihrer Verantwortlichkeit und der Erwartung bewusst waren. Jeder musste wissen, wann er was zu tun hat.

Um dabei im Team den Überblick zu behalten, haben wir ein zentrales Ticketsystem eingesetzt. Da es sich in Teilen auch um sensible Daten handelt, spielte der Datenschutz eine relevante Rolle. Zudem ist Eindeutigkeit extrem wichtig. Es darf keine Missverständnisse geben.

Die Prozesse mussten klar definiert sein und dafür bot es sich an, den Industriestandard BPMN zu nutzen, um diese zu erarbeiten und zu definieren.

Was bedeutet BPMN?

Business Process Model and Notation oder auf deutsch Geschäftsprozessmodell und -notation. Das ist eine grafische Spezifikationssprache in der Wirtschaftsinformatik und im Prozessmanagement, mit der Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe modelliert und dokumentiert werden können.

Das klingt nach viel Arbeit und setzt entsprechendes Know-How voraus. Aber vermutlich nicht nur für Sie. Wie wichtig ist dabei die Mitarbeit des Auftraggebers?

Enorm wichtig, denn der Auftraggeber ist ja weisungsbefugt gegenüber anderen Projektbeteiligten, denen gegenüber wir wiederum nicht weisungsbefugt sind.

Bei diesen Projektbeteiligten ist ja ebenfalls wiederum Know-How angesiedelt, das berücksichtigt werden musste, um Risiken möglichst früh und präzise einschätzen zu können und um Probleme zu vermeiden.

Außerdem gibt es neben den harten Fakten, Prozessen und Kennzahlen – und das darf man auch nicht unterbewerten – in solchen Projekten auch immer Befindlichkeiten, die man nicht einfach ignorieren sollte. Es gibt auch weiche Faktoren, die berücksichtigt werden müssen, damit ein Projekt im Zeit- und im Budgetplan bleibt.

Aber nicht nur die Auftraggeber müssen involviert werden.

Wer noch?

Auch eigene Dienstleister, wie zum Beispiel der Rechenzentrumspartner, müssen in den Prozess mit eingebunden werden. Unter Umständen müssen auch noch zuvor nicht Beteiligte – wie z.B. unabhängige Prüfstellen für Prozesszertifizierungen und sicherheitstechnische Auditierungen – involviert werden. Hierfür müssen im Vorfeld Aufgaben identifiziert und Angebote für Zusatzleistungen eingeholt werden. Die Arbeiten sind außerdem zeitlich zu planen.

Welche Aufgaben sind im Anschluss an die Planung der Infrastruktur umzusetzen?

Zunächst ist ein Zeitplan inklusive der Meilensteine und Projektrisiken aufzusetzen. Dann kann man operativ in die Umsetzung gehen. Das bedeutet, Server bestellen, Konfigurationen durchführen und Testszenarien durchspielen.

Und wenn dann alles bereitgestellt ist, legen Sie den Schalter um?

Wenn die Infrastruktur implementiert ist, versucht man in Testszenarien den Betrieb so gut wie möglich zu simulieren um bewerten zu können, wie sich das Konstrukt unter Belastung verhält. Zum Stichtag werden dann alle notwendigen Schritte in einem möglichst kurzen Zeitfenster koordiniert, um in den Betrieb überzugehen.

Dabei ist es wiederum wichtig, dass alle operativ Beteiligten in Bereitschaft sind und man ein gemeinsames Rollback-Szenarion definiert, für den Fall, dass trotz sorgfältiger Planung etwas schiefgehen sollte.

Ich kann bei solchen Projekten immer nur an alle Beteiligten appellieren, möglichst offen und transparent zu kommunizieren und mögliche unrealistische Erwartungshaltungen zur Diskussion zu stellen. Davon hängt maßgeblich der Erfolg eines solchen Projektes ab.

Herr Jarusch, vielen Dank für Ihre Erläuterungen.

Ich danke Ihnen!

 

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