WordPress vs TYPO3

Royal Rumble: TYPO3 vs. WordPress

Ob Muhammad Ali gegen Joe Frazier, Deutschland gegen Italien oder Alain Prost gegen Ayrton Senna: Diese Kontrahenten lieferten sich stets spannende Wettkämpfe auf allerhöchstem Niveau. Und in die gleiche Kategorie fällt auch der Kampf der zwei populären Web-CMS TYPO3 und WordPress. Deshalb lassen wir die beiden CMS-Giganten in insgesamt acht spannenden Runden gegeneinander antreten, um endlich die Frage zu beantworten, welches der beiden Systeme das Bessere ist.

Runde 1 – Support

WordPress beginnt die erste Runde mit einem Volltreffer: In puncto Support und Verbreitung ist das Blogsystem einfach unschlagbar. Über 35 % der deutschen Webseiten verwenden laut BuiltWith WordPress, wohingegen TYPO3 nur 10 % im Einsatz haben. Auch wer Hilfe bei der Integration braucht, wird bei WordPress vermutlich schneller fündig. Durch die flache Lernkurve, die vielen Tutorials und die unzähligen Fragen aus dem offiziellen Forum oder Stackoverflow können selbst ungeübte Entwickler aus dem Vollen schöpfen.

Aber wer denkt, dass TYPO3 hier völlig wehrlos zuschauen muss, der irrt sich. Denn auch wenn die TYPO3-Community vergleichsweise klein ist, sind die Mitglieder überaus aktiv. Es gibt ein offizielles Forum, einen IRC-Channel und Mailing-Listen, über die man jederzeit Unterstützung bekommt. Außerdem finden regelmäßig Veranstaltungen und Konferenzen statt, bei denen man nicht nur andere TYPO3-Mitglieder, sondern auch Core-Entwickler treffen kann.
Auch interessant: Auf dem deutschen Enterprise-Sektor führt TYPO3 das Ranking mit satten 95 % Marktanteil an (Quelle: BuildWith).

Die erste Runde geht dennoch mit einem leichten Plus an WordPress.

Gute Moderation auf der T3CON14: Robert Zierhofer und Javier Salas

Gute Moderation auf der T3CON14: Robert Zierhofer und Javier Salas

Runde 2 – Code-Qualität

In Runde 2 kann nun auch TYPO3 seinen ersten Schlag landen. Ein eigens dafür abgestelltes Team behält die Code-Qualität immer im Auge und bewertet sie in regelmäßigen Abständen anhand von festgelegten Software-Metriken. Es kommen moderne Entwurfsmuster wie das Domain-Driven-Design, Dependency Injection oder Signal & Slots zum Einsatz, und auch der TYPO3-Core wird ständig an moderne Standards angepasst. Dazu kommt, dass jede Änderung am TYPO3-Core durch einen Review-Prozess muss, damit sicher gestellt werden kann, dass noch ein zweiter Entwickler die Änderung abgesegnet hat und kein „Bad-Code“ übernommen wird. Zu guter Letzt sorgen Unit-Tests für automatisierte Testabläufe und passen auf, dass sich durch Änderungen weniger Fehler einschleichen. Bei WordPress sucht man vergeblich nach modernen Entwurfsmustern. Zwar wurde mittlerweile damit begonnen, die ersten Funktionen auf Klassen umzustellen, aber das meiste läuft nach wie vor in prozeduraler Programmierung. Auch in anderen Bereichen, wie Unit-Tests, tut sich langsam was. Aber auch wenn WordPress sich noch weiter entwickeln wird, TYPO3 hat auf diesem Gebiet einfach die Nase vorn.

Diese Runde geht an TYPO3.

Runde 3 – Bedienbarkeit

Wenn es um User-Experience und Usability geht, gibt es kaum jemanden, der WordPress das Wasser reichen kann. Die Oberfläche sieht nicht nur schick aus, sondern lässt sich auch wunderbar einfach und schnell bedienen. Egal, ob man mal eben einen Artikel schreiben oder einen Kommentar freischalten möchte, alles geht leicht von der Hand und ohne große Einarbeitungszeit. WordPress macht vor, wie eine Bedienoberfläche idealerweise aufzubauen ist.

TYPO3 hinkt währenddessen etwas hinterher. Seit TYPO3 7 wurde das Backend optisch aufgewertet und sieht nun wesentlich moderner aus, und dennoch wirkt das grundsätzliche Bedienungskonzept an vielen Stellen noch veraltet, sperrig und alles andere als intuitiv. Wie es besser geht, zeigt auch das von TYPO3 abgespaltene CMS „Neos“, das auf einem völlig neuem Bedienungskonzept aufsetzt. Ob sich TYPO3 auch mehr in diese Richtung entwickelt, bleibt abzuwarten. Für den Moment geht diese Runde daher ganz eindeutig an WordPress.

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Seit TYPO3 7 wurde das Backend optisch aufgewertet und sieht nun wesentlich moderner aus.

Runde 4 – Sicherheit

Das Thema Sicherheit spielt besonders bei Enterprise-Projekten eine große Rolle. Aber woran misst man am besten, welches System das sichere ist? Laut Exploit-Datenbank gibt es für WordPress über 800 mögliche Exploits, bei TYPO3 sind es gerade mal 15. Ein Erklärungsgrund ist hierfür sicherlich die größere Verbreitung des Blogsystems, aber TYPO3 hat aufgrund des fest definierten und modularen Aufbaus auch einen weiteren Vorteil: Extensions sind so automatisch gegen die üblichen Sicherheitslücken geschützt. SQL-Injections, XSS- und CSRF-Attacken sind bei WordPress-Instanzen daher wesentlich häufiger anzutreffen.

Exploit Database

Laut Exploit-Datenbank gibt es für WordPress über 800 mögliche Exploits.

Man kann sagen, dass der WordPress-Core kaum Angriffsfläche bietet, aber die fehlenden oder schwachen Standards der Plug-in-Schnittstelle zeigen deutliche Schwächen auf. Die vierte Runde geht damit an TYPO3.

Runde 5 – Erweiterungen

In dieser Runde widmet sich der Kampf dem Thema Plugins, Extensions und Themes. Eine Runde, in der WordPress zu punkten weiß, denn die Anzahl der Plugins und Themes ist beeindruckend: Das Blogsystem wartet mit unglaublichen 42.000 Plugins und weiteren unzähligen Themes auf. TYPO3 stellt sich mit etwa 1.200 aktuellen Extensions (~6.600 insgesamt) dagegen. Natürlich gibt es auf beiden Seiten sehr gute, aber auch sehr schlechte Beispiele, dennoch kann man WordPress an dieser Stelle Quantität statt Qualität vorwerfen. Die Frage, wie viele der über 40.000 Plugins tatsächlich nützlich sind, ist natürlich nur schwer zu beantworten, aber alleine durch die Masse dürfte WordPress hier die Nase leicht vorn haben und gewinnt damit auch diese Runde.

Runde 6 – Wartung und Skalierbarkeit

Zwar konnte WordPress die letzte Runde Dank der riesigen Anzahl an Erweiterungen für sich entscheiden, doch diese Stärke ist auch gleichzeitig einer der größten Schwächen des Blogsystems, denn die Wartung wird durch jedes installierte Plugin schwerer. Auch die fehlende Strukturvorgabe an die Plugins trägt dazu bei, dass WordPress-Instanzen mit der Zeit immer instabiler werden und sich kaum mehr aktualisieren lassen, ohne viel Zeit in die Nachbearbeitung zu investieren.

TYPO3 geht hier einen anderen, besseren Weg: Es werden nur wenige Extensions von Drittherstellern benötigt und jeder, der sich an die vorgegebenen Schnittstellen hält, kann mit relativ wenig Aufwand seine eigenen und die externen Extensions aktuell halten.

Auch auf die Skalierbarkeit bezogen hat TYPO3 einen großen Vorteil: Eine TYPO3-Instanz lässt sich jederzeit erweitern und konfigurativ anpassen, um gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Der Kunde möchte seine bereits fertige Website in eine zweite Sprache übersetzen? – Kein Problem. Der Kunde möchte plötzlich einen logingeschützten Bereich, wo er Informationen nur bestimmten, angemeldeten Nutzern zur Verfügung stellen kann? – Auch das ist kein Problem und bedarf nicht einmal der Sorge um die spätere Updatefähigkeit.

Trotz hoher Flexibilität schafft es TYPO3 den Wartungsaufwand so gering wie möglich zu halten. Dafür streicht das Enterprise-CMS auch den Rundensieg ein.

Runde 7 – Geschwindigkeit

Für diese Runde haben wir beide Systeme in ihrer Standardkonfiguration (ohne zusätzliche Plugins oder Extensions) auf einem unserer Server installiert und jeweils einen Benchmarktest durchlaufen lassen. Für TYPO3 kam dabei das Introduction-Package der Version 7.6 zum Einsatz, WordPress schickte die Version 4.3 mit dem Standard-Theme Twenty Fifteen ins Rennen. Hier unsere Ergebnisse:

time-typo3-vs-wordpress und req-per-sec-typo3-vs-wordpress

WordPress

Anzahl Requests: 100
Anzahl gleichzeitiger Requests: 10
Requests / sec: 75.89
Gesamtzeit: 1.318 sec

TYPO3

Anzahl Requests: 100
Anzahl gleichzeitiger Requests: 10
Requests / sec: 48.79
Gesamtzeit: 2.050 sec

WordPress schafft es, 100 Requests in nur 1,3 Sekunden zu bearbeiten, während TYPO3 für die gleiche Menge knapp 2 Sekunden benötigt. Auf den ersten Blick scheint WordPress in dieser Runde das Rennen zu machen, aber ob die Performance immer noch so gut ist, wenn man sein WordPress mit Plugins auf den Funktionsstand eines TYPO3 bringt, ist mehr als fraglich. Trotzdem entscheidet WordPress diese Runde vorerst für sich.

Runde 8 – Features

In dieser alles entscheidenden Runde geht es um die Königsdisziplin: Wer bietet mehr Features?
TYPO3 kann bei dieser Frage mit einigen schlagenden Argumenten punkten: Mandantenfähigkeit, Mehrsprachigkeit, granulare Berechtigungen, Assetmanagement, Workflows (Workspaces), skalierbare Erweiterungen… die Liste könnte man sicherlich noch weiterführen, aber was noch viel wichtiger ist: All das liefert TYPO3 bereits out-of-the-box, ohne zusätzliche Installation von Extensions.
Dieser Welle von Kinnhaken hat WordPress tatsächlich nicht viel entgegenzusetzen, denn WordPress war und ist nur ein Blogsystem, das nie als klassisches CMS gedacht war und seinen Fokus viel mehr auf einfache Handhabung gelegt hat.

Fazit

Und damit endet auch der Kampf der CMS-Giganten. Die Ringrichter entscheiden: Technischer K. o. für WordPress – TYPO3 verlässt als Sieger den Ring! Das Blog-System muss sich nach acht Runden geschlagen geben, denn auch wenn WordPress sich in einigen Runden durchsetzen konnte, dominierte TYPO3 über weite Strecken den Kampf. Vor allem bei den Themen Sicherheit, Skalierbarkeit und Features war die Überlegenheit deutlich zu erkennen.

Der WM-Gürtel der CMS-Schwergewichte geht an TYPO3 und wir freuen uns auf kommende Herausforderer. Mit Drupal, Joomla und Contao warten bereits einige ambitionierte Gegner auf den neuen Weltmeister.

Comments (1)

  1. Das ist ein vergleichsweise fairer Kampf, wie ich finde. Dennoch möchte ich mich als Punktrichter beteiligen, da ich doch einige Tiefschläge sehe.

    Runde 3: Bedienbarkeit ist ein alter Kritikpunkt an TYPO3. Wie ihr richtig sagt, ist das Backend optisch mittlerweile echt schön geworden. Da TYPO3 aber nun einmal für hohe Anforderungen entwickelt wird, sind die Möglichkeiten im Backend ebenfalls groß. Es lassen sich ALLE Bereiche, ALLE Elemente sehr leicht für den Redakteur ausblenden. Somit ist es zu 100% möglich, einen ebenso einfachen Editor zur Verfügung zu stellen, wie wir es von WordPress kennen. Lediglich in der Listen-Ansicht von TYPO3 (relevant für News/Blogs) sehe ich hier einen gewissen Nachteil, an dem die Community ansetzen sollte. In Anbetracht der Möglichkeiten sehe ich mindestens ein Unentschieden. Zwar habt ihr gute Gründe, dennoch gehe ich hier einfach mal in die Opposition.

    Runde 5: Erweiterungen sind so eine Sache: Wenn ich mir überlege, dass ich mit ein wenig TypoScript und wirklich einfachen Fluid Styled Content Elementen, mit Backend Layout so ziemlich alles ohne PlugIns wie bei WordPress abbilden kann, muss man die Übermacht von WordPress doch stark relativieren.

    Runde 7: Ich würde die Performance nicht anhand einer Installation mit Introduction Package messen. Twenty Fifteen ist als Template sehr simpel, das Introduction Package ist es nicht, Es gibt auch andere Tests, die ein TYPO3-Theme 1zu1 in WordPress umgesetzt haben und einen deutlichen Performance-Vorteil bei TYPO3 sehen. Auch theoretisch ist das zu erwarten, da das Caching von TYPO3 sehr durchdacht ist. Einen guten Punkt sprecht Ihr mit den PlugIns an: TYPO3 lässt wesentlich zielgerichteter erweitern, was mit dem Einsatz von PlugIns in WordPress nur sehr schwer möglich ist.

    Eine Runde hätte man noch mit der Update-Fähigkeit kämpfen können, eine weitere mit der Social Media- bzw. Content Marketing-Fähigkeit. Bei der Update-Fähigkeit hatte WordPress die Nase lange Zeit vorn, mittlerweile ist es eher ein Unentschieden, insbesondere, wenn ich an die PlugIns bei WordPress denke. Social Media natürlich ist eine Domäne von WordPress; wenn ich jedoch an komplexes Content Marketing und Content Management denke, hat TYPO3 die Nase vorn. Im Bereich Blogging tut sich aktuell ebenfalls etwas – auch weil wir da gerade etwas vorbereiten.

    Ansonsten ist das ein Vergleich, der eindeutig zu den fairsten gehört, die ich kenne.

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