Usability

Usability: Harmonie von Design, Technik und Redaktion

Usability beschreibt die Effizienz einer Seite. Aber wann ist eine Seite besonders effizient und wie kann man das realisieren?

Es kommt ganz darauf an, wie ich eine Seite nutze.
Was ist das Ziel, welches ich mit meiner Website oder nur einer einzelnen Anwendung erreichen möchte? Je nach Projekt können die Ziele stark abweichen. Somit gibt es auch kein Konzept, welches man auf alle Webseiten anwenden könnte. Wichtig ist es, die Grundlagen zu verstehen und auf dieser Basis individuell zu planen.

Ein kleines Beispiel

Ich suche bei Google nach einem Restaurant um dort Abends essen zu gehen. Ich suche also bei Google nach einem Restaurant in meiner Nähe. Dabei stoße ich auf zwei neue Anbieter, deren Seite ich nicht kenne. Also klicke ich auf den Link des ersten Anbieters.

Der erste Eindruck zählt

Beim ersten Besuch der Seite bin ich u.U. begeistert von einem tollen Design, aufwendigen Animationen oder einer ausgefallenen Struktur. Ich gucke mir vielleicht Galeriebilder an, kann etwas über das Team lesen und sehe was heute als Tagesgericht angeboten wird.

Was ich nicht finde sind die Kontaktdaten und Öffnungszeiten. Diese befinden sich hier nicht auf der Startseite. Weil ich diese dort erwarte, scrolle ich erst einmal 2 Minuten herunter, ohne Erfolg.

Im Menü finde ich nach erneutem Scrollen den Button „Kontakt“. Ich klicke drauf und sehe die Adresse und Telefonnummer. Aber immer noch keine Öffnungszeiten.

Nun gibt es jedoch keinen Menüpunkt „Öffnungszeiten“. Also suche ich unter 3 verschiedenen Seiten nach den Angaben. Ohne Erfolg.

Die Nachwirkungen sind schlimmer als man denkt

In der Zwischenzeit ist mir wieder eingefallen, dass in meiner Suche noch ein weiteres Restaurant auftrat, welches mir ebenfalls gefiel. Ich besuche die Seite, finde alle Informationen direkt auf der Startseite und rufe sofort an.

Das Fazit ist: Da ich auf der ersten Webseite nicht fand, was ich gesucht habe, ging ich zu einem anderen Anbieter. Und ich werde die erste Seite bei der nächsten Restaurantsuche meiden und im schlimmsten Fall niemals dort aufrufen.

Viele Optionen in Form von Nachrichten, Galerien oder anderen Inhalten sind sehr positiv. Aber der Besucher möchte eine einfache und intuitiv bedienbare Seite. Je nachdem welches Ziel verfolgt wird, kann der Aufbau sich stark unterscheiden.

„Benutzerfreundlichkeit“, was heißt das eigentlich?

Die kognitive Wahrnehmung

Werden uns sofort zu viele Informationen in Form von Navigationen, Filtern, Buttons, Formularen oder anderen Optionen vorgelegt, haben wir es schwerer, dies alles zu behalten. Das Kurzzeitgedächtnis kann in einer bestimmten Zeitspanne nur eine bestimmte Anzahl von Informationen verarbeiten. Wächst die Zahl darüber hinaus, fällt es uns immer schwerer ein System zu verstehen. Dies wird auch als „Chunking“ bezeichnet.

Schaffen wir also zu Beginn zu viele Optionen, rauben wir jedem User die Lust an der Seite. Und hierbei geht es nicht allein um den Besucher der Website. Auch die Redakteure und Entwickler arbeiten viel entspannter und somit auch effizienter mit einem System, das auf dem Prinzip „weniger ist mehr“ aufbaut.

Innovationen müssen nicht immer sein

Neue Ideen sind interessant, aber man muss vorsichtig sein, wo und wie oft man diese einsetzt.

Ein Text, ein Formular, eine Tabelle oder Liste dürfen ruhig so aussehen, wie man es von vielen anderen Seiten kennt. Denn diese Elemente sollten einfach zu verstehen sein. Zu speziell gestaltete Inhalte führen dazu, dass der User sich schwer tut, einen Text zu lesen.

Auch eine Navigation sollte leicht verständlich sein. Optimal sind Menüelemente wie man sie bereits von anderen Systemen kennt. Denn wenn ich etwas bereits kenne, fällt es mir einfacher es zu nutzen.

Je nach Kultur erwarten die Besucher auch bestimmte strukturelle Vorgaben. Zum Beispiel: „In Europa wird der Text immer von links nach rechts gelesen“ oder „Umso größer die Überschrift, desto wichtiger ist Sie“. Jeder Leser erwartet, dass ein Text so aufbereitet wird. Ist er es nicht, wird es anstrengender, ihn zu lesen.

Eye Catcher schaffen Übersicht

Um die Aufmerksamkeit auf bestimmte Elemente zu erhöhen, sollten sich diese optisch vom Rest der Seite unterscheiden. Ist der Text größer, die Farbe greller oder ein anderer optischer Effekt vorhanden, fällt mir das Element ins Auge. Bei für den User wichtigen Inhalten, zum Beispiel den Kontaktinformationen, sollte man also für einen optischen Unterschied sorgen.

Warum Google beliebter ist als andere Suchmaschinen

Die besten Beispiele für ein gutes Usability-Konzept gibt Google.com. Diese Platform kam auf den Markt,als es bereits mit Yahoo und anderen Anbieter ein größeres Angebot gab. Warum ist Google heute viel erfolgreicher?

Keine Werbung! Ein Suchfeld! 2 Buttons!

Ein sehr gutes Beispiel für ein gelungenes Usability-Konzept: Google.com

Ein sehr gutes Beispiel für ein gelungenes Usability-Konzept: Google.com

Diese Seite ist äußerst einfach aufgebaut, was das Design und die Struktur angeht. Obwohl Sie technisch extrem umfangreich ist, bietet Sie dem Nutzer vorerst nur sehr wenig Optionen. Erst im Nachhinein werden, je nach Benutzung, weitere Optionen geschaffen. Das System passt sich also den jeweiligen Bedürfnissen des Users an, statt ihm den vollen Umfang aller Möglichkeiten sofort entgegen zu werfen.

Eine Startseite, bestehend aus einem Bild und einem Eingabefeld, führte zu der meistgenutzten Webseite der Welt. Keine Werbung, keine Verläufe, Schatten, Hintergrundbilder oder Animationen.

Die geniale Technik dahinter ist ausschlaggebend für den Erfolg, aber der Nutzer bekommt nur bedingt mit, was alles hinter dem Suchfeld steckt. Wir nutzen diese Seite mehrmals täglich. Meistens fällt es uns nicht einmal mehr auf. Eben weil es so unglaublich einfach ist.

Optionen sobald ich aktiv geworden bin

Sobald ich auf „suchen“ geklickt habe, bekomme ich, je nachdem was ich gesucht habe, eine Vielzahl von Optionen. Ich kann Ergebnisse filtern, Suchkategorien auswählen usw. Aber das Wichtige hierbei ist: Ich habe bereits Ergebnisse zu meinem gesuchten Begriff und befinde mich schon in dem Bereich, in den ich wollte.

Google bietet vorerst also nur eine Option, die Suche, reagiert dann aber auf den eingegeben Begriff, erörtert das mögliche Ziel des Besuchers und reagiert mit einer teilweise zugeschnittenen Zahl an Optionen.

Durch dieses Konzept ist die Seite so benutzerfreundlich, dass selbst kleine Kinder sie in Sekunden verstehen und bedienen können. Das Usability-Konzept ist hierbei vollkommen aufgegangen.

Man sieht also, es sollte immer großer Wert auf die Benutzerfreundlichkeit einer Webseite gelegt werden.
Denn eine technisch hochwertige Internetseite mit einem tollen Design bringt nichts, wenn Sie keiner benutzen will.

Wie erschaffe ich eine benutzerfreundliche Seite?

Es gibt keinen globalen Lösungsweg

Für eine benutzerfreundliche und erfolgreiche Seite sollte man nicht einfach eine Strichliste abarbeiten, sondern analysieren, welche Ziele sowohl der Anbieter als auch seine Besucher verfolgen.

Verkaufe ich zum Beispiel Produkte, ist es wichtig, diese auch in den Vordergrund zu setzen, denn wegen Diesen besucht der Nutzer wahrscheinlich meine Seite.

Biete ich eine Dienstleistung an, sollte die schnelle und einfache Kontaktaufnahme vorrangig sein.

Bei einem sozialen Netzwerk sollte ich alle meine Freunde und die neusten Inhalte von diesen sehen. Alle Faktoren sind ausschlaggebend für das Aussehen und die Funktionen einer Seite. Ein Design kann also sowohl benutzerfreundlich für Seite 1, als auch die falsche Wahl für Seite 2 sein.

Ohne Konzept kein Zeitplan

Zeitpläne sind wichtig. Ein Zeitplan sollte jedoch immer erst auf Grundlage eines detaillierten Konzeptes erfolgen. Denn erst dann kann man genau abschätzen wie lange ein Projekt dauert. Grobe Zeiteinschätzungen im Vorfeld verhindern u.U., dass durch ein zu geringes Budget wichtige Anwendungen, Designs oder Marketingelemente nicht umgesetzt werden können oder durch den hohen Aufwand nicht einmal vorgeschlagen werden. Man sollte sich vorerst alle Möglichkeiten offen lassen, denn vielleicht ist man bereit mehr Zeit zu investieren, wenn genau dieser Lösungsweg perfekt ist.

Erst das Fundament, dann die Dekoration

Bevor man sich darüber unterhalten kann, wie das Design aussieht, sollte man ein solides Fundament gießen. „Was ist das eigentliche Ziel meiner Seite und wie kann ich das erreichen?“ muss immer die erste Frage sein, die man sich stellt.

Natürlich erhöhen schöne Farben und Animationen den Auftritt aber viel wichtiger ist es, den Besucher dorthin zu führen, wo er hin möchte und die Klärung der Frage, welche technischen Vorraussetzungen geschaffen werden müssen um das gewünschte Ziel überhaupt erst zu ermöglichen.

Weiter Fragen sollten u.a. sein:

  • Welche Seiten sind wichtig, welche haben eine geringe(re) Priorität?
  • Welche Anwendungen möchte ich meinem Besucher bieten?
  • Welche Möglichkeiten kann ich schaffen, um alle Besucherinteressen bestmöglich zu bedienen?

Harmonie und Offenheit sind der Schlüssel

Brainstorming Notizen

Die große Problematik ist die optimale Mischung zwischen Technik und Design zu finden. Die Webseite soll toll aussehen, technisch alle Möglichkeiten bieten und trotzdem intuitiv und einfach zu bedienen sein. Und eine Harmonie dieser oftmals gegensätzlichen Thematiken zu schaffen ist der Schlüssel zum Erfolg.

Jede Partei entwickelt oftmals sehr unterschiedliche Lösungswege und sieht auftretende Probleme unter einem anderen Licht. Unterschiedliche Meinungen zeigen aber auch das abweichende Verhalten von möglichen Besuchern.

Deswegen sollten schon in der Theorie alle Parteien (Technik, Design und Marketing) vertreten sein, denn jeder Bereich hat seine persönlichen Vorlieben. Somit vermeidet man bereits zu Beginn, dass ein Punkt zu kurz kommt und kann jeden Vorschlag aus verschiedenen Perspektiven behandeln, um eine Ideallinie auszuarbeiten.

Usability Mythen

Leider wird das Thema Usability oft falsch behandelt. Hier nur ein paar Mythen, die in ihrer Aussage nicht ganz richtig sind:

  • Die 3-Klick-Regel:
    „Der Benutzer soll nicht öfter als 3 mal klicken müssen um zu seinem Ziel zu gelangen“. Diese Aussage stimmt so nicht. Die Aufmerksamkeit wird nicht durch das Klicken eines Links beeinträchtigt, sondern vom Aufbau meiner Seite. Wenige Klicks sind natürlich vorteilhaft. Jedoch bewirkt eine Seite, welche vollgespickt mit Links ist, damit der Benutzer nur einmal klicken muss, eher das Gegenteil. Denn genau dann finde ich nicht was ich suche. Eine genaue, intuitive Menüführung und eine gute Struktur helfenhier viel mehr.
  • Eine Seite für alle“-Regel:
    Nur ein Design zu erstellen, um dann alle Endgeräte vom Desktop bis zum Smartphone bedienen zu können, ist für alle Beteiligten vorteilhaft. Man sollte jedoch nicht krampfhaft daran festhalten. Die Inhalte sollten entscheiden, ob es nur eine oder mehrere strukturelle Ansichten einer Seite gibt, nicht umgekehrt.
  • Usability vs. Design:
    „Design und Usability, das funktioniert nicht!“ – das stimmt nicht. Bei der Usability geht es nicht nur um Technik, sondern um die Organisation einer Seite. Und das Design ist ein wesentlicher Bestandteil davon. Der Aspekt „Benutzerfreundlichkeit“ muss direkt in die Designplanung einfließen. Genauso wie es bei anderen Punkten der Fall ist. Und mit genügend Erfahrung kann ein Zusammenspiel sehr harmonisch funktionieren.
  • Usability = User friendly
    Gerne wird der Begriff Usability verwendet, wenn es um Benutzerfreundlichkeit („User friendly“) geht. Und auch wenn diese Begriffe fest miteinander verwurzelt sind, bedeuten sie jedoch etwas anderes.
    Usability oder auch Gebrauchstauglichkeit kommt ursprünglich aus der Produktion. Es beschreibt die Effektivität eines Produktes.
    Bei der Benutzerfreundlichkeit geht es viel mehr um die menschliche Ergonomie. Speziell die Wahrnehmung einer Seite und deren Applikationen sagen aus, ob diese „user friendly“ ist.
  • Usability heißt „So wenig Links wie möglich“
    Einfach alle Links zu streichen ist u.U. genauso negativ wie ein Überangebot von Links. Eine Webseite krampfhaft von allen Links zu befreien und diese dann in Texten zu verlinken, oder in einer Linkliste beim Aufruf der Seite erscheinen zu lassen führt dazu, dass ein Besucher die Seite suchen muss oder gar nicht erst von deren Existenz erfährt.
    Die richtige Zahl an Links zu dem Angebot meiner Seite sollte ausgewogen sein. Macht ein Link, Navigationspunkt oder Button Sinn, sollte ich diesen auch erstellen.
  • Usability kostet extra
    Es ist fast nicht möglich, das Thema Usability im Nachhinein erfolgreich umzusetzen. Deswegen muss es bereits bei der ersten Phase eines Projektes ein Thema sein.Was richtig ist, ist dass der Planungszeitraum größer sein kann und somit dort mehr Geld investiert werden muss. Aber durch die penible Festlegung sämtlicher Features, des Designs und womöglich auch der Texte, gibt es kaum Spielraum für Interpretationen. Dadurch spart man viel Zeit bei der eigentlichen Entwicklung.
    In den meisten Fällen zahlt sich eine umsichtige Planung sogar aus. Meist spart man bei der eigentlichen Entwicklung mehr Zeit ein, als durch die vorherige Theorie hinzugekommen ist.

Usability ist nicht nur für Besucher wichtig

Man vergisst oft auch, dass es bei diesem Thema nicht nur um die Besucherzahlen und -zeiten geht, sondern auch um alle anderen User, die mit der Seite arbeiten. Die Redakteure, Übersetzer, Entwickler und anderen Abteilungen, die später mit dem System umgehen sollen. Diese werden viel effektiver mit einem System arbeiten können, wenn es ergonomisch gestaltet wurde.

Redakteure brauchen ihre Spielwiese

Eine Seite kann heute nicht einmalig gebaut und monatelang so stehen gelassen werden. Gibt es zu lange keine neuen Inhalte auf der Seite, sinken nicht nur die Besucherzahlen und mein Platz in den Google Suchergebnissen. Wenn Inhalte nicht auf einem aktuellen Stand sind, kann es die User sogar verärgern. Deswegen ist die Usability sehr stark von einer regelmäßigen Pflege abhängig.

Wenn ein Redakteur von sich aus gerne mit der Seite arbeitet, spiegelt sich das auch auf die Inhalte wieder. Einem Redakteur eine benutzerfreundliche Platform zu geben, ist fast genauso relevant wie dem Besucher der Web-Seite. Denn wenn es Spaß macht die Applikation zu nutzen, werden die Texte umso umfangreicher und häufiger aktualisiert werden. Ich beschäftige mich gerne mit der Webseite, habe mehr Ideen und befasse mich intensiver mit meinen erstellten Inhalten. Und das völlig automatisch.

Entwickler benötigen strukturelle Kreativität

Bevor eine administrative Oberfläche bzw. eine Internetseite gepflegt werden kann muss bereits auf die Benutzerfreundlichkeit geachtet werden. Die Struktur der Ordner, Dateien und des Codes, mit dem gearbeitet wird, müssen eine feste Struktur besitzen, die sich bestmöglich wie ein roter Faden durch jedes Projekt zieht, um die Arbeit zu erleichtern.

Denn „einfach drauf los“ sorgt für Chaos in der Zukunft. Ein gutes Konzept kann durch eine schlechte Struktur auf Dauer zur Qual werden. Neben all der Kreativität sollte man immer darauf achten, dass Ordner und Unterordner immer verständlich heißen, Dateinamen eine feste Benennung mit Datum besitzen und eine gute Dokumentationvon Anwendungen existiert.

Usability ist kein Kampf der Abteilungen

Axure

Mit Axure kann man interaktive und responsive Konzepte planen und gestalten.

Eine effektive und benutzerfreundliche Seite zu planen und zu erstellen bedeutet nicht, dass man seine Ideen zu Gunsten von Standards nicht umsetzen kann, dass Design und Technik einen ewigen Krieg untereinander führen oder viel mehr Zeit in ein Projekt investiert werden muss.

Die Effektivität einer Seite hängt mehr von der umsichtigen Planung ab, als von ausgefeilter Technik oder einem tollen Design. Dort mehr Zeit zu investieren wirkt sich also immer positiv aus.

Mit dem richtigen Vorgehen und einem erfahrenem Team, dass offen und zukunftsorientiert ist, kann ein solches Projekt völlig harmonisch und sehr erfolgreich durchgeführt werden.

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